.1.Hervüergehollt: Eierkäsform, Gär- und Heringstopf
Die Frage "Wie kam das Steingut aus dem Kannebäckerland nach Winningen" beantwortete uns Frau Claudia Marx-Britz am Dienstag, dem 21. Juli bei einem Rundgang durch unsere Ausstellung. Sie ist staatl. geprüfte Keramikgestalterin, hat 1994 die Meisterprüfung im Keramikerhandwerk abgelegt und arbeitet seit 2004 selbstständig in ihrer Werkstatt in Koblenz (https://britzkeramik.de).
Rund um Höhr-Grenzhausen finden sich einige der bedeutendsten Tonvorkommen Europas. Die Herstellung von Töpferwaren ist dort seit dem Beginn des 15. Jhd. belegt. Als besonders wegweisend erwies sich Herstellung von graublauem Steinzeug, das zunächst mit kobaltblauen, später auch zusätzlich mit manganhaltigen Verzierungen in violetten bis braunen Farbtönen dekoriert wurde. Seit dem Spätmittelalter wurden die Töpferwaren mit einer Salzglasur veredelt. Ab dem späten 18. Jhd. wird diese Region als das „Kannenbäckerland“ bezeichnet.
Auch in Winningen wurden Töpfereierzeugnisse aus dem Kannenbäckerland sowohl in der Kellerwirtschaft als auch im Haushalt vielseitig eingesetzt und waren unverzichtbar. So kommt es, dass sich „Blau-graues Steinzeug aus dem Kannenbäckerland“ an vielen Stellen unseres Museums finden läßt. Dabei handelt es sich um Stücke aus dem alltäglichen Hausgebrauch, aber auch Prunkstücke. Diese wurden durch besondere Beschriftungen personifiziert und als Unikate hergestellt. Sie wurden traditionell zu runden Geburtstagen verschenkt. Auch unterschiedliche Vorratsgefäße und sog. Gärtöpfe aus der historischen Kellerwirtschaft und Weinbereitung zählen zu unseren Exponaten.
Frau Marx-Britz erklärte anhand einiger besonders schöner und interessanter Stücke, aber auch mit Fotos und Filmen aus ihrer eigenen Töpferei die verschiedenen Techniken bei der Formgebung und dem Brand. Weiterhin konnten die Besucher sowohl Ton als auch Produkte in unterschiedlichen Stadien der Fertigstellung in die Hand nehmen.
Zum Abschluß gab es für die Besucher ein Stückchen "Eierkäs", das von Frau Marx-Britz nach einem Originalrezept aus dem Westerwald und in einer speziell dafür hergestellten Form aus unserem Museumsbestand hergestellt worden war.
Dder Museumsverein bedankt sich bei Frau Marx-Britz für einen rundum gelungenen Abend mit vielen Erklärungen und Informationen für unsere Gäste!